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Michael Kampert

"Die Transparenz der Tragfähigkeit"



"Coellner Zimmer", 2005,
im Museum für Verwandte Kunst, Köln

Ein Tesafilmstreifen – ein Retter in der Not, aber bestenfalls ein Notbehelf, kurzfristige, aber auch kurzweilige Stabilisierung, Gedächtnisstützenbefestigung und Handwerkerersatz – für Michael Kampert ist er der kleinste Baustein eines künstlichen Universums.

Ein gesamtes Esszimmer mit Tisch und Stühlen, Besteck, Service, Kerzenleuchter und Vase in Originalgröße sind unter seinen Händen aus dem dünnen Klebstoffträger entstanden, der in seiner Einzelbeschaffenheit kaum noch zu erkennen ist. Durch das tausendfache Überkleben der Streifen, die zusammengenommen ein Strecke von 99 Kilometern bilden würden, erreicht das eigentlich kraftlose Material eine unerwartete Stabilität und eine von durchsichtig-weiß nach gelb changierende Farbigkeit, die Assoziationen zu festen Substanzen wie Kunstharz oder Wachs weckt.

Die Installation, die im Oktober 2003 erstmalig in der Galerie „Exit Art“ in Köln zu sehen sein wird, ist das Ergebnis einer vierjährigen Sysiphusarbeit, die eine Idee zur Wirklichkeit werden ließ. Der gelernte Goldschmied Michael Kampert legt in seinem Werk nicht zum ersten Mal den Focus auf den Aspekt der mühevollen Handarbeit.

       

 

Frühere Arbeiten, in denen er beispielsweise freihändig seitenweise Millimeterpapier, die zusammen einen Quadratmeter ergeben, nachzeichnete, zeugen von einer ähnlichen Ideenverbissenheit und dem Humor, einen Gedanken ad absurdum zu führen und die Zweckbestimmtheit der alltäglichen Lebenshilfen zu negieren.

Michael Kampert ist fasziniert von Baustellensituationen und architektonischen Elementen wie Stahlrohren und Steckverbindungen. Im Falle des Tesafilminterieurs bemüht er sich, eine möglichst hohe Stabilität der zumeist hohlen Gegenstände zu erreichen, überschreitet aber an anderen Stellen auch bewußt die Grenze zur Materialermüdung. Diese Spannung innerhalb des Kunstwerks zwischen Statik und Verfall wird augenscheinlich in dem Wechselspiel zwischen Dichte und Transparenz, welches in der Inszenierung durch Licht- und Schatteneffekte noch verstärkt wird.

1500 Tesafilmrollen haben sich in einen Raum verwandelt, jeder Streifen wurde von Kampert abgezogen und verarbeitet und diese Arbeit hat ihre Spuren hinterlassen. Jeder der Bausteine ist gekennzeichnet von den Fingerabdrücken des Künstlers, der somit selber in seiner Arbeit wiederzufinden ist. Auch wenn die Datenspeicherung auf Tesafilmstreifen noch Zukunftsmusik sein mag, ist dieser beinahe philosophische Gedanken doch ein schönes Bild für die enge Verwobenheit zwischen dem Schaffenden und dem Geschaffenen.

Heidi Irmer

 

tesa-art.de